Gibt es heute mehr Epidemien als früher?

Kommt es in unserer Zeit häufiger zu Ausbrüchen einer Epidemie oder Pandemie?


Wann welche Krankheit historisch zum ersten Mal aufgetreten ist, ist schwer zu sagen. Klar ist, dass viele der Krankheiten, die uns heute das Leben schwer machen, von der Grippe bis hin zu Krebs, auch schon in frühen Jahren auf der Erde verbreitet waren. Denn Viren, Bakterien, Erbkrankheiten, degenerative Erkrankungen, Tumorwachstum, psychische Erkrankungen und vieles mehr sind nicht nur Erscheinungen der modernen Welt. Durch Aufzeichnungen aus vergangen Zeiten weiß man, dass auch Menschen vor der Zeitrechnung mit denselben oder ähnlichen Krankheiten zu kämpfen hatten. Doch war das damalige Wissen über die Entstehungen, Verbreitungen und Therapieren von Gesundheitsproblemen nicht so detailliert wie heute.

Aufgrund unseres heutigen Wissensstandes und den zunehmenden Informationen, wissen wir besser, wann, wo und wie häufig Krankheiten auftreten.

Vor und während des Mittelalters gab es wenig diagnostische Maßnahmen und ein weit verbreiteter Glaube war, dass Krankheiten eine Strafe Gottes seien. Durch die Entwicklung der Medizin und dem Enttabuisieren der Untersuchung des menschlichen Körpers wurden die Ursprünge und Übertragungswege vieler Erkrankungen erst später erforscht.


Aus frühen Aufzeichnungen, die bis in die Zeit von Hippokrates reichen, können wir anhand der beschriebenen Symptome Rückschlüsse auf die Erkrankungen der Menschen zu dieser Zeit ziehen. Da sich die Symptome vieler Krankheiten ähneln oder überschneiden, ist die Zuordnung jedoch oft uneindeutig. So können zum Beispiel Zittern in den Händen mit einhergehenden Pneumonien während der kalten Jahreszeit auf eine Grippe hindeuten – aber auch auf eine gefährlich verlaufende Encephalitis (Gehirnhautentzündung).


Durch den aufstrebenden Kolonialismus, vor allem am Ende des 15. Jahrhunderts, und dem Bedürfnis der Menschen nach neuen Entdeckungen, kam es zur Erweiterung von territorialen Gebieten vieler Großmächte. Neue Länder wurden entdeckt, Handelsrouten erweitert, Ressourcen und Waren exportiert – ein Kosten und Nutzen für die Großmächte, aber eine Ausbeutung für die indigen Völker. Sklavenhandel, Ausplünderungen, radikaler Abbau und Zerstörung von Tierwelt und Land waren nur einige der Konsequenzen. Ein neuartiger Kontakt zu fremden Tieren und Völker - ganze Ethnien, vor allem im karibischen Raum, wurden durch das Einschleppen von Krankheiten durch die Großmächte ausgelöscht. So führten auch die Pocken im ersten Viertel des 16. Jahrhunderts dazu, dass ein Großteil der indigenen Völker Amerikas dezimiert wurde.


Ob es nun heute mehr Epidemien gibt als früher, lässt sich schwer sagen. Fakt ist, dass sich Epidemien dank unserer Technologie frühzeitig erkennen lassen und somit ein schnelleres Handeln eingeleitet werden kann. Des Weiteren hat sich unsere Gesellschaft im Laufe der Zeit stark verändert.

Verständnis über Hygiene, Wissen über Krankheiten und eine globale Vernetzung bieten mehr Möglichkeiten als vor ein paar Jahrtausenden. Nichtsdestotrotz heißt dies nicht, dass wir in unserer heutigen, modernen Welt keine Gefahr von Epidemien oder Pandemien ausgesetzt sind.

Auch vor der großen COVID-19 Pandemie aus 2020 erkrankten mehrere Tausend Menschen an immer wieder kehrenden Erregern: Von der saisonalen Grippe bis hin zum Dengue-Fieber, Cholera, Malaria, Ebola oder HIV. Unsere heutige, weltweite Vernetzung, führt zu einem schnelleren und häufigeren Austausch zwischen Menschen. Krankheiten, die sonst Monate gebraucht haben, um sich zu verbreiten, können binnen Stunden von einem Ort der Welt zu einem anderen gelangen.




Literatur


https://de.wikipedia.org/wiki/Kolonialismus#Der_Wettlauf_um_Afrika

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