Ist Fleischkonsum genauso gefährlich wie Rauchen?

Die Antwort ist: Ja und Nein.


Dass beide, das verarbeitete Fleisch und das Rauchen, für die Gesundheit der Menschen „gefährlich“ sind, ist für viele verwirrend. Man kann diese Frage in Bezug auf die Kanzerogenität (das heißt: wie hoch ist das Risiko, dass man davon Krebs bekommt) von beiden beantworten.


JA

Beide sind tatsächlich von der Internationalen Krebsforschungsbehörde IARC (International Agency for Research on Cancer) als karzinogen, also krebserregend, für Menschen eingestuft. Der Begriff „Kanzerogenität“ muss allerdings in Beziehung zum Begriff „Kausalität“ gesetzt werden. Laut des Philosophen David Humes besteht eine kausale Verbindung zwischen A und B nur unter zwei Bedingungen:

i. B folgt immer auf A („sufficient cause“, hinreichender Grund);

ii. Falls A nicht auftritt, tritt B nicht auf („necessary cause“, notwendiger Grund).


Diese Bedingungen sind allerdings in der Medizin nur selten erfüllt. Für nicht-infektiöse Krankheiten ist die Mehrheit der Ursachen – wie z. B. Rauchen, Asbest usw. – „non-necessary“ .


NEIN

Die Antwort auf die Frage lautet auch nein. Während das Lebenszeitrisiko für Lungenkrebs unter Nicht-Rauchern nur 1 % ist, steigt das Risiko unter starken Rauchern auf 25 %. Hingegen ändert sich das Krebsrisiko nicht so stark, wenn man wenig oder viel Fleisch isst. Das Risiko von Dickdarmkrebs unter Menschen, die häufig rotes Fleisch essen, liegt bei 6 %. Bei denen, die nicht so häufig rotes Fleisch essen, liegt es bei 5 % - also nicht viel darunter.





Literatur


World health Organization International Agency for Research on Cancer. Tobacco Smoke and Involuntary Smoking. Lyon, France, 2004.


World health Organization International Agency for Research on Cancer. Red Meat and Processed Meat. Lyon, France, 2018.


Rothman KJ, Greenland S. Modern Epidemiology Second Edition. 530 Walnut street, Philadelphia, PA, USA: Lippincott Williams & Wilkins; 1998.


Hume D. An enquiry concerning human understanding: LaSalle: Open Court Press; 1784.


Gianicolo EAL, Eichler M, Muensterer O, Strauch K, Blettner M. Methods for Evaluating Causality in Observational Studies. Dtsch Arztebl Int 2020; 116(7): 101-7.


Vineis P, Stewart BW. How do we judge what causes cancer? the meat controversy. Int J Cancer 2016; 138(10): 2309-11.

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