Woher weiß ich, wem ich glauben kann?

Und welche Rolle spielen eigentlich Interessenskonflikte in der Epidemiologie?


Das Fazit einer Studie hängt manchmal davon ab, wer diese finanziert hat. Beispiele dafür finden sich in verschiedenen Lebensbereichen - sei es bei Studien zur Wirkung des Rauchens, sei es bei Medikamentenstudien. Barnes und Bero z. B. zeigen in einer Meta-Analyse, dass Wissenschaftler, die mit der Tabakindustrie in Beziehung stehen, häufiger keine Effekte von Passiverauchen feststellen, als solche, die unabhängig von dieser Industrie sind.

Deswegen ist es unbedingt notwendig, dass Wissenschaftler bei der Veröffentlichung ihrer Studienergebnisse immer angeben, von wem sie das Geld für die Studie bekommen haben.

Das nennt man: Interessenkonflikte erklären. Aber reicht das aus? Und was ist überhaupt ein Interessenkonflikt?


Interessenkonflikte treten auf, wenn das Ziel einer Studie, zum Beispiel die Antwort auf die Frage „ist diese Substanz krebserregend?“, einem anderen Interesse unvereinbar gegenübersteht, z. B. dem Interesse einer Industrie, diese Substanz zu produzieren und damit Profit zu generieren. Auch wenn man davon ausgehen kann, dass die Verfahren der Studie nicht wegen der widerstreitenden Interessen verzerrt sind, beeinflussen diese Konflikte doch das Vertrauen in die Ergebnisse der Studie.


Das Thema der Ethik epidemiologischer Studien wurde in den letzten Jahren intensiv diskutiert, teilweise als Reaktionen auf unethisches Verhalten der von der Industrie geförderten Berater. Es wurden deshalb auch Richtlinien („good epidemiological practices“) entwickelt, wie man mit Interessenskonflikten umgehen sollte .


Umso mehr ist es wichtig, Quellen zu prüfen, Methoden zu validieren und Studien genau zu lesen, denn letzendlich können Fehler überall gemacht werden.



Literatur


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Barnes DE, Bero LA. Why review articles on the health effects of passive smoking reach different conclusions. JAMA 1998; 279(19): 1566-70.


Stelfox HT, Chua G, O'Rourke K, Detsky AS. Conflict of interest in the debate over calcium-channel antagonists. N Engl J Med 1998; 338(2): 101-6.


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