Wie gefährlich ist eine Covid-Infektion für ungeborene Kinder?

Infiziert sich eine Schwangere mit SARS-CoV-2, muss das ungeborene Kind nicht zwangsläufig auch infiziert sein. Eine Übertragung findet wahrscheinlich nur selten statt. Weitere mögliche Risikofaktoren für das ungeborene Kind stellen eine Infektion der Plazenta und der Gesundheitszustand der Mutter dar. Bisher wurden zwar einige infizierte Plazenten untersucht, die Ergebnisse lassen aber noch keine allgemein gültigen Aussagen zu. Die untersuchten Plazenten wiesen verschiedene Anomalien auf. Unter Umständen könnte dies zu einer Unterversorgung des Ungeborenen führen. Bei den bereits geborenen Kindern ließen sich mehrheitlich keine gesundheitlichen Einschränkungen feststellen. Allerdings fand in diesen Fällen die Infektion meist im dritten Trimester statt. Zu Infektionen in früheren Schwangerschaftsstadien fehlen bislang die Daten. Um die Folgen einer Infektion im Mutterleib bzw. einer Infektion der Plazenta einschätzen zu können, müssen mithilfe spezieller Studien infizierte Schwangere und deren Kinder über einen längeren Zeitraum beobachtet werden.


Neben der Infektion des Neugeborenen bzw. der Plazenta kann sich der gesundheitliche Zustand der infizierten Mutter auf das Neugeborene auswirken. Wie man von anderen Erkrankungen weiß, kann hohes Fieber während des ersten Trimesters die Entwicklung des Ungeborenen negativ beeinflussen. Da Fieber zu den häufigen COVID-19-Symptomen gehört, besteht für die Kinder von infizierten Schwangeren an dieser Stelle ein Risiko. Bei Müttern mit schwerem COVID-19-Verlauf, die beatmet werden müssen, gibt es ebenfalls Hinweise auf erhöhte gesundheitliche Risiken für das Ungeborene. Unter infizierten Schwangeren weist jedoch nur eine Minderheit, etwa 10 %, überhaupt Symptome auf. Die Risikofaktoren für eine schwere Erkrankung der Mutter ähneln den bisher bekannten: höherer Body-Mass-Index, Vorerkrankungen und ein höheres Alter (>35). Für spezifischere Aussagen zu speziellen Risiken, wie Frühgeburten oder Fehlgeburten, sind die bisher erhobenen Daten noch nicht ausreichend.




Literatur


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