Inwiefern hat Epidemiologie etwas mit Sportwissenschaften zu tun?

Als Wissenschaft, die sich mit der Erforschung von Häufigkeit und Ursachen verschiedenster Erkrankungen beschäftigt, hat die Epidemiologie Überschneidungspunkte mit vielen Fachdisziplinen. Hierzu gehören – sehr naheliegend – insbesondere die Medizin und Statistik, aber auch mit der Biologie, Pharmazie, Psychologie, Soziologie und sogar Geografie hat die Epidemiologie Überschneidungen. Aufgrund dieser Interdisziplinarität sind auch die Anknüpfpunkte mit den Sportwissenschaften nicht überraschend.


Sportwissenschaftler*innen beschäftigen sich ganz allgemein mit dem menschlichen Bewegungsapparat und mit den Auswirkungen von Bewegung auf Körper und Gesundheit. Sind Sportwissenschaftler*innen forschend tätig, bedienen sie sich häufig epidemiologischer Methoden, um relevante Zusammenhänge zu untersuchen. Beispielsweise konnten Sportwissenschaftler*innen des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) in ihrer systematischen Übersichtsarbeit (2020) zeigen, dass regelmäßige körperliche Aktivität mit einem geringeren Risiko für Übergewicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes assoziiert ist. Allgemein ist „körperliche Aktivität“ häufig Gegenstand epidemiologischer Forschung – sowohl als potenzieller Risiko- als auch Schutzfaktor. So gibt es epidemiologische Forschung zu verschiedenen Sportverletzungen, beispielsweise zur Häufigkeit von Sehnenverletzungen in verschiedenen Sportarten. Aber auch als gesundheitsförderlicher Faktor fließt die körperliche Aktivität häufig in epidemiologische Untersuchungen ein – insbesondere, wenn es um die Erforschung nicht übertragbarer „Zivilisationserkrankungen“ wie beispielsweise Krebs oder Diabetes geht.


Für Untersuchungen wie diese kann es sehr sinnvoll sein, wenn Epidemiolog*innen und Sportwissenschaftler*innen zusammenarbeiten. Durch eine solche interdisziplinäre Zusammenarbeit von Expertinnen und Experten kann besser gewährleistet werden, dass keine für die Untersuchung relevanten Aspekte außer Acht gelassen werden – was letztlich die Qualität einer Studie erhöht. So können sich Epidemiolog*innen vor allem mit den methodischen Aspekten einer Studie auseinandersetzen, während Sportwissenschaftler*innen relevante biologische Grundlagen und ihr Wissen über die Wirkweise sportlicher Aktivität einbringen.




Literatur

Nührenbörger, C.; Seil, R.; Ueblacker, P.; Hotfiel, T., Drews, B.; Bloch, W. et al. (2017). Epidemiologie von Sehnenverletzungen im Sport. Sports Orthopaedics and Traumatology, 33 (3), 241-247. doi: 10.1016/j.orthtr.2017.07.007


Cleven, L.; Krell-Roesch, J.; Nigg, C. R.; Woll, A. (2020). The association between physical activity with incident obesity, coronary heart disease, diabetes and hypertension in adults: a systematic review of longitudinal studies published after 2012. BMC Public Health, 20:726. doi: 10.1186/s12889-020-08715-


https://www.studium.uni-mainz.de/bachelor-sportwissenschaft/

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