Warum kommen immer neue und dann manchmal widersprüchliche Aussagen zu Schutzmaßnahmen?


Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) auf internationaler Ebene und das Robert-Koch Institut (RKI) auf nationaler Ebene handeln im Einklang mit dem aktuellen wissenschaftlichen Stand und der Forschung zu SARS-CoV-2. Zu Beginn der Corona-Ausbreitung gab es nur sehr wenige wissenschaftliche Studien und Kenntnisse sowohl über den Erreger (SARS-CoV-2), als auch über großflächig wirkende Schutzmaßnahmen. Demzufolge gab es kontroverse Diskussionen in der Öffentlichkeit über die Schutzmaßnahmen zur Kontrolle der Infektionsausbreitung.


Wissenschaftler und Organisationen des öffentlichen Gesundheitswesens konnten sich nicht auf einheitliche Richtlinien zur Eindämmung der Ausbreitung von SARS-CoV-2 einigen. Ein sehr kontroverses Thema unter anderen war das Tragen von Mund-Nasen-Schutz (MNS). Sowohl das RKI als auch die WHO (World Health, 2020b) haben am Anfang der Corona-Pandemie nur erkrankten Personen (u. a. mit Atemwegserkrankungen) und Beschäftigten im Gesundheitsbereich geraten, eine Mund-Nasen-Bedeckung (MNB) in der Öffentlichkeit zu tragen. Gesunde Menschen müssten keine MNB im öffentlichen Raum tragen. Diese Empfehlungen beruhten auf der unzureichenden Evidenzlage zur Effizienz des MNS unter gesunden Menschen zur Kontrolle der Ausbreitung von SARS-CoV-2. Im April existierten nur begrenzte Hinweise darauf, dass das Tragen einer Maske (ob medizinischer oder anderer Art) durch gesunde Personen in der breiteren Gemeinschaft, bei Kontakten mit erkrankten Patienten oder bei Teilnahmen von Massenversammlungen von Vorteil sein könnte (World Health, 2020b). Eine Einschätzung des Infektionsrisikos unter bestimmten Bedingungen und Maßnahmen war in den ersten Monaten der SARS-CoV-2-Pandemie aufgrund der Mangel an wissenschaftlichen Erkenntnissen in dem Bereich schwierig.

So stellt sich die Frage, wie es von einer Empfehlung, dass nur erkrankte Personen eine Maske in der Öffentlichkeit tragen sollten, zu einer Maskenpflicht für die ganze Bevölkerung kam?

Zu Beginn der Pandemie fehlten evidenzbasierte Daten zur Übertragung des Erregers und somit zur Ausbreitung von SARS-CoV-2, und aufgrund der Wissenschaftslücken konnten die Experten aus der öffentlichen Gesundheitsversorgung keine strengen Vorschriften zum Tragen von MNS ableiten.

Im Laufe der Pandemie wurden immer mehr Studien und somit evidenzbasierte Informationen sowohl allgemein zur Transmission von SARS-CoV-2, als auch zur Wirksamkeit von nicht-pharmazeutischen Interventionen (NPI's) und zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie publiziert.


Im Juni hat sich der wissenschaftliche Stand verändert, da mehrere Studien nachgewiesen haben, dass mit dem Corona-Virus infizierte Personen, die keine Symptome aufweisen (asymptomatischer Infektionsverlauf), das Virus auf andere übertragen können, obwohl das relative Risiko einer asymptomatischen Übertragung im Vergleich zur symptomatischen Übertragung um ca. 42 % geringer ist (Byambasuren et al., 2020).

Die WHO und das RKI haben diese Studien systematisch ausgewertet und die Präventionsmaßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie an die neuesten, evidenzbasierten Erkenntnisse angepasst. Somit wurden Studien zur Bewertung von prä- und asymptomatischer Übertragung des Corona-Virus und zur Maskentragung in der allgemeinen Öffentlichkeit von Experten evaluiert.

Es wurde festgestellt, dass Schutzmaßnahmen, wie das Tragen von MNS, die Beschränkung von Versammlungen, Schließung von Arbeitsplätzen und Schulen, das Einhalten von Mindestabständen und Hygieneregeln bei der Hemmung der Ausbreitung des Coronavirus wirksam sind.

Dementsprechend hat auch die WHO ihre Richtlinien zur Verwendung von Masken im Rahmen des Coronavirus an die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse angepasst (World Health, 2020a). Nach derzeitigem Kenntnisstand ist das Tragen von Gesichtsmasken mit einer Verringerung des Infektionsrisikos verbunden. Um u. a. auch das Risiko für „unbemerkte“ Ansteckungen (infizierte Personen mit einem asymptomatischen Infektionsverlauf können den Virus weiterverbreiten) zu reduzieren, ist das Tragen von MNS für die ganze Bevölkerung zwingend notwendig.


Es ist aber zu beachten, dass das Tragen von MNS allein keinen 100 % Schutz bietet, und daher diese Maßnahme mit weiteren Präventionsmaßnahmen zusammenzuführen ist.




Literatur


Byambasuren, O., Cardona, M., Bell, K., Clark, J., McLaws, M.-L., & Glasziou, P. (2020). Estimating the extent of asymptomatic COVID-19 and its potential for community transmission: systematic review and meta-analysis. medRxiv, 020.2005.2010.20097543.


World Health, O. (2020a). Advice on the use of masks in the context of COVID-19: interim guidance, 5 June 2020. Retrieved from Geneva: https://apps.who.int/iris/handle/10665/332293


World Health, O. (2020b). Advice on the use of masks in the context of COVID-19: interim guidance, 6 April 2020. Retrieved from Geneva: https://apps.who.int/iris/handle/10665/331693

4 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen
Denkblasen_edited.png