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Wer entscheidet, wohin Forschungsgelder fließen?

Das ist eine Frage, die mich als Forscherin natürlich sehr beschäftigt.

Einerseits gibt es für diese Entscheidungen ganz sachliche Gründe, zum Beispiel wird genau angeschaut, welche Erkrankungen eine hohe Krankheitslast verursacht. Dabei besteht natürlich die Gefahr, dass dann immer nur die gleichen Krankheiten untersucht werden, einfach weil sie häufig sind. Aber die seltenen Erkrankungen müssen auch erforscht werden – deshalb gibt es spezielle Fördermaßnahmen für genau diese Krankheiten.

Auch gesellschaftliche Notlagen führen dazu, dass dort Gelder investiert werden, weil man sich von den Forschungsergebnissen eine Besserung der Situation erhofft. Die COVID-19-Pandemie ist dafür ein gutes Beispiel – weltweit wurden erhebliche Mittel bereitgestellt, um diese Erkrankung besser zu verstehen und letztlich auch, um ihr den Schrecken zu nehmen.

Darüber hinaus spielen aber auch Interessen eine Rolle, die darauf Einfluss nehmen, welche Themen als erforschungswürdig angesehen werden und welche nicht. Diese Interessen können ganz offen vertreten werden – zum Beispiel von Patientenverbänden oder Krankenversicherungen – oder sie fließen subtil und von der Öffentlichkeit nicht bemerkbar in Diskussionen um Förderschwerpunkte und in Begutachtungen ein. Das wird man nicht komplett verhindern können, aber man kann versuchen, mit diesen Interessen so transparent wie möglich umzugehen und sie klar darzulegen. Bei den öffentlichen Fördermittelgebern ist dies gute Praxis.

In Deutschland veröffentlicht die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) alle drei Jahre den Förderatlas. Dieser beschreibt, wo in Deutschland mit öffentlichen Geldern besonders stark geforscht wird. Man findet dort Antworten auf konkrete Fragen, wie z. B. „Wie viele Drittmittel fließen in welche Bundesländer und an welche Hochschulen und außeruniversitären Forschungsinstitute?“ oder „Von wem kommen die Gelder und wie werden sie von den Einrichtungen genutzt?“

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